Drei Meldungen in drei Wochen: Was der Standort Zürich jetzt braucht
Was braucht eine Firma, um in Zürich zu bleiben? In drei Wochen gab es drei schlechte Nachrichten. Einzeln haben sie wenig miteinander zu tun. Zusammen stellen sie genau diese Frage.
Drei Fälle
Ende August: Die Bank Vontobel führt ab 2030 mehr als 1'500 Mitarbeitende in einem neuen Campus in Baar zusammen. Am Bleicherweg bleibt ein Kundenstandort. 23. September: Der Ständerat will, dass die UBS ihre Beteiligungen an Töchtern im Ausland zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegt. 24. September: Cembra verlegt den Hauptsitz im Herbst 2027 von Zürich-Altstetten nach Baden. Rund 660 Mitarbeitende arbeiten künftig im Aargau.
Die Ursachen sind verschieden. Alle drei Fälle zeigen aber dasselbe: Der Wettbewerb um Firmen und Stellen ist konkret geworden.
Die Statistik beruhigt, doch sie verdeckt etwas
Das Wirtschaftsmonitoring des kantonalen Amts für Wirtschaft zeigt für 2019 bis 2025: Pro Jahr ziehen rund 180 Firmen mehr weg als zu. Knapp die Hälfte davon beschäftigt niemanden. Für diese Firmen ist der Wegzug nur ein Akt auf dem Papier. Also alles in Ordnung?
Ganz und gar nicht. Viele Wegzüge sind Briefkästen. Vontobel ist keiner. Ein einziger Hauptsitz kann mehr wiegen als der ganze Saldo eines Jahres. Denn hinter ihm stehen Menschen. Sie arbeiten hier, sie kaufen hier ein, sie zahlen hier Steuern. Und es bleibt nicht bei der einen Firma: Wo Hunderte arbeiten, gibt es Aufträge für Restaurants, Handwerker und IT-Firmen.
Vier Hebel liegen beim Kanton
- Steuern. FDP, Die Mitte und SVP halten in ihrer Fraktionserklärung vom 14. September fest: Bei der Unternehmenssteuer liegt Zürich schweizweit auf dem letzten Platz. Ein neues Steuerpaket, das Mehrheiten findet, ist nötig. Die FDP fordert zudem tiefere Vermögenssteuern. Inhaberinnen und Inhaber sollen keinen weiteren Grund haben, Zürich zu verlassen.
- Weniger Bürokratie. Der Budgetentwurf 2027 lässt die Verwaltung um 2,2 Prozent wachsen. Die Bevölkerung wächst um 0,8 Prozent. Der Staat gibt immer mehr Geld aus, dass die Bürgerinnen und Bürger zuerst verdienen müssen.
- Raum. Wer investieren und bauen will, braucht ein schnelleres Verfahren. Und vor allem ein verlässliches. Planungssicherheit zählt so viel wie ein Steuersatz.
- Erreichbarkeit. Mitarbeitende müssen zur Arbeit kommen. Firmen müssen ihre Güter transportieren, im Inland und ins Ausland. Viele Mitarbeitende brauchen dafür das Auto. Wo Parkplätze verschwinden, wird der Arbeitsweg zum Argument gegen den Standort.
Ein Hebel liegt in Bern
Es heisst, die höheren Kapitalvorgaben für die UBS zahlten nur die Aktionäre. Das greift zu kurz. Die UBS kann zwar Kapital aufbauen, indem sie Gewinne zurückbehält und weniger Geld an ihre Aktionäre ausschüttet. Sie kann aber auch Kosten senken, Geschäfte verlagern oder Preise erhöhen.
Was heisst das konkret? Für ein KMU: eine teurere Finanzierung der nächsten Maschine. Für Beschäftigte in Zürich: mehr Druck auf Arbeitsplätze. Für Kanton und Gemeinden: eine schmalere Steuerbasis, also weniger Geld für Schulen und Infrastruktur.
Die FDP Kanton Zürich erwartet vom Nationalrat eine Lösung, die verhältnismässig ist und international abgestimmt. Mit dieser Sorge ist sie nicht allein. Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh nennt den Entscheid des Ständerats «kein akzeptabler Kompromiss».
Was die FDP tut
Am 14. September haben FDP, Die Mitte und SVP im Kantonsrat eine Standortoffensive verlangt. Zum Wegzug von Vontobel hat die FDP den Regierungsrat mit kritischen Fragen konfrontiert. Und mit der Personalbremse-Initiative fordert sie: Die Verwaltung darf nicht stärker wachsen als die Bevölkerung.
Voraussetzungen sind kein Ergebnis
Zürich hat hervorragende Firmen, gut ausgebildete Leute, starke Hochschulen und eine ausgezeichnete Infrastruktur. Das sind bessere Voraussetzungen als fast überall sonst. Aber es sind Voraussetzungen. Kein Ergebnis. Zürich funktioniert nicht von selbst. Es funktioniert, weil jeden Morgen Menschen aufstehen und etwas aufbauen. Ihnen nicht im Weg zu stehen, ist die Aufgabe der Politik.